Ganzer Text ▸
Ein kleines Schiff
Zurückhaltung und Achtsamkeit in der Setzung: Ein neues leichtes Volumen in der bestehenden Parklandschaft.
Die Schule mit ihrem bestehenden Park funktioniert gut. Für den neuen Kindergarten wird die Asphaltfläche aufgeschnitten und samt Unterbau entfernt, sodass die Fläche ein wenig tiefer zu sitzen kommt als bisher. Das ovale Volumen kombiniert eine sehr hohe Effizienz im Verhältnis von Fassadenfläche zu Volumen mit einer formalen Unabhängigkeit zum Bestand – es ist ein kleines Schiff, das hier neu anlegt.
Im Freiraum werden so viele Objekte wie möglich bewahrt: Die bestehenden Wege und Kontinuitäten werden nur dort angepasst, wo es nötig ist. Der bestehende Bannfeldbrunnen wird entlang der existierenden Entwässerung versetzt, Bänke werden umplatziert, um neue Sitzgruppen zu schaffen. Um aus diesem südlichen Abschnitt des Parks einen dichteren Garten zu machen, werden noch wenige einzelne Anpassungen vorgenommen, wie ein Sandbereich beim Brunnen, Schleichwege und Pflanzbeete. Diese zusätzlichen Elemente, die der fühlbaren, haptischen Interaktion mit dem Aussenraum dienen, können im Dialog und in Zusammenarbeit mit allen Nutzern gestaltet und nach und nach ergänzt werden.
Während mit ein paar ergänzenden Hecken so ein überschaubarer und auch abgetrennter Garten entsteht, bleibt die bestehende Wiese unter dem Singsaal offen, um einen weitläufigeren Aussenraum zu bewahren und die Präsenz der bestehenden Architektur nicht zu schmälern.
Holz und sanfte Farben
Der Raum ist ein materialechter, dezenter Hintergrund für eine wilde Belebung.
Die vier Haupträume sind jeweils zu zweit auf einer Etage angeordnet und über zwei separate Eingänge zugänglich. Im Innenraum sind die Eingänge über eine zentral liegende Treppe mit Zenitallicht verbunden, sodass für alle Gruppen sowohl der restliche Schulcampus als auch der südöstlich anliegende Aussenraum direkt erreichbar sind. Die Treppe selbst generiert Durchblicke und Ausblicke und kann als Tribüne, Aufenthaltsort und Treffpunkt genutzt werden.
Von den Eingängen aus teilen sich die Gruppen auf eigene Garderobenbereiche mit separaten Nasszellen auf. Auf der gegenüberliegenden Gebäudeseite teilen sich die Gruppen den Gruppenraum sowie den Materialraum, der als dünne Raumschicht eine flexible Erreichbarkeit aus allen Räumen ermöglicht, aber auch Durchblicke zur Treppe und in die Küche eröffnet.
Eine einfache Tragstruktur ermöglicht diese diagonal versetzte Raumkonfiguration: Über tragende Wände im inneren Kern und freistehende Stützen in den Haupträumen spielt eine relativ kleinmassstäbliche und dadurch schlanke, konventionelle Holzstruktur alle Räume entlang der Fassade frei – nachhaltig und kostengünstig, aber charaktervoll für den Innenraum. Bis auf die Bodenplatte, die aufgrund der geringen Lasten in Recyclingbeton erstellt werden könnte, werden Decke, Dach sowie Fassade im Elementbau vorgefertigt. Überhaupt ist Holz ein prägender Teil der Atmosphäre: Decke, Boden und Einbauten sind aus Holz – fühlbar und bearbeitbar und somit ein idealer Spielbegleiter. Ergänzt wird es im Innenraum durch einzelne Bodenbereiche aus farbigem Linoleum sowie Metallwaschbecken und Küchenablagen. Ein schlichter, sanft farbiger Hintergrund für eine wilde Belebung.
Langlebig und anpassbar
Für eine nachhaltige Lösung: Holz als wichtigstes Material, schlichte und wartbare Haustechnik sowie Flexibilität für die Zukunft.
In der Entscheidung, einen Neubau zu erstellen, ist eine Maximierung der Lebenszeit des Gebäudes impliziert. Dafür werden Konstruktion, Technik sowie Betrieb möglichst material- und energiesparend geplant, eine gewisse Flexibilität der Raumeinteilung ermöglicht und Raum gelassen für zukünftige Anpassungen.
Ein wichtiger Teil davon ist die grosszügige, vertikale Steigzone mit anliegenden Technikräumen in der Mitte des Gebäudes, die eine schlichte, kostengünstige Haustechnikverteilung ermöglicht. Komplett entkoppelt von der Tragstruktur macht dies Installation und Wartung einfach und lässt gleichzeitig Spielraum für aufkommende Eventualitäten.
Eine Kombination aus Erdwärmepumpe und PV-Anlage mit Wärmeverteilung/Freecooling über Fussbodenheizungen generiert Bodenflächen, die zum Spielen einladen und rein auf nachhaltiger Energie beruhen. Die Haupträume sind dreiseitig belichtet und können sehr gut quergelüftet werden – über CO2- und Temperaturfühler gesteuert und mit mechanischen Lüftungsflügeln. Für die wahrnehmbare Verbindung zum Aussenraum sind auch grosse manuell öffenbare Fensterflügel und ausstellbare Markisen vorgesehen, die den Sichtbezug zur Umgebung und Vegetation aufrechterhalten.
