Ganzer Text ▸
Howl
Seit den 90er Jahren ist die bekannte Experimentierfabrik Stahl-&Traumfabrik AG mit ihrer Schreinerei, Schlosserwerkstatt und Handwerk-Know-how-Pool ein etablierter Ort in Zürich. Schon in ihrer Anfangszeit in Zürich-Altstetten fanden zwischen Filmkulissen, Möbelentwürfen, Bauexperimenten, Skulpturen und Materialarchiven Lesungen, Konzerte, Kulturveranstaltungen aller Art und rauschende Feste statt.
Seit 2020 wird in der denkmalgeschützten ehemaligen Dörranlage in Schlieren an der Bernstrasse 29 produziert, mit der Sehnsucht hier diese Kultur weiterleben zu lassen. Zusammen mit Pfeffermint AG und der Architekturgenossenschaft Architecture Land Initiative wurde deshalb ein Projekt initiiert, das diesen Ort für weitere Unternehmen, Kulturschaffende, Handwerker und Produktionsbetriebe öffnen soll. Dazu braucht es Platz, Know-how, Atmosphäre, Standort – und vor allem Menschen und Ideen, die dort zusammenkommen können.
Etappierung
Die Umgebung des Gaswerkareals in Schlieren ändert sich rapide: Der Landschaftsraum um die Limmat wird aufgewertet, die Limmattalbahn hat Schlieren enger mit der Stadt Zürich verwoben. Das Grundstück an der Bernstrasse hat das Potenzial mit dieser Entwicklung mitzuwachsen. Das erarbeitete Projekt sieht die Nachnutzung und Aktivierung des Areales in mehreren Etappen vor:
- Durch eine behutsame Instandsetzung und Erneuerung erhält die wertvolle Bausubstanz des Bestands ihre architektonische, funktionale und denkmalpflegerische Qualität zurück. Um das Grundstück zu aktivieren und eine nachhaltige Nutzung zu gewährleisten, werden zuerst die baulichen Überbleibsel und Altlasten der letzten Jahrzehnte zurückgebaut.
- In einer ersten Iteration war vorgesehen, den Neubau als gestapelte Gewerbehallen zu realisieren. Stattdessen ist jetzt eine einzige, grosse und mehrgeschossige Gewerbehalle auf dem südlichen Grundstücksteil vorgesehen. Das Gebäude ist als flexible, offene Struktur für Werkstätten und Kleinproduktionen konzipiert, das zukünftigen Wandel ermöglicht. Bewusst ist das Tragwerk als offenes System entwickelt, um den Mietern zu ermöglichen, ihre Arbeitsräume individuell zu verändern und zu erweitern, indem sie die Hallen beispielsweise um zusätzliche Ebenen ergänzen. Aussenräume und Erschliessung verbinden den Neubau mit dem Bestand und schaffen attraktive Begegnungsräume zwischen den einzelnen Werkstätten: Das bestehende Gebäude wird Teil eines gemeinschaftlichen Ensembles für Produktion, Handwerk und Innovation.
- Die Konstruktion des Neubaus wird bewusst in länger verweilenden Sockel und Leichtbau gedacht, da der Boden und Aussenraum den Innenraum überdauern wird – die Weiterverwendung der Bauteile wird offengelassen für die nächste Generation.
Vision
Das Projekt als gebautes Sinnbild einer alternativen und nachhaltigen Zukunft: Durch die Rückführung und Modernisierung der Bausubstanz; die Betonung der tektonischen Struktur der Neubauten, wie auch durch die Verwendung von weitgehend demontierbaren Bauteilen und erneuerbaren Materialien, soll dieses Ziel erreicht werden. Ein Zusammenspiel von lokalen Ressourcen und innovativen neuen Technologien, sowie Know-how über Handwerk und hybride Produktionstechniken soll diese Vision ermöglichen. Das soziale Element der Produktion in kultureller und unternehmerischer Hinsicht, das sich in der Erstellung und Bewirtschaftung an gemeinschaftlichen Werten orientiert, bildet das zentrale Moment des gemeinsamen Projektes. In diesem Sinne steht die wertvolle, bereits existierende Substanz der alten Dörranlage, genau wie die zu erstellenden neuen Räume, für ein alternatives soziales Wirtschafts- und Produktionsmodell.
