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Der Wald
Für einen nachhaltigen Umgang mit Boden und Lokalklima wird das Programm auf wenig Grundfläche umgesetzt. Die freie Fläche wird zum Mischwald.
Als erstes wächst ein Wald.
Ein Mischwald mit über 300 einheimischen Sorten breitet sich um die bestehenden Föhren herum aus. Ein paar Eichhörnchen ziehen ein und bekommen bald schon Namen. Bei Regen riecht es wahnsinnig gut. Wahrscheinlich werden in Zukunft vor allem die Buchen gut wachsen. Wir werden sehen.
Wege durchkämmen den Wald. Zwei davon sind breiter als die anderen, sie verbinden die Eingänge der Schulen Friesenberg und Borrweg mit der Umgebung. Viele der Kinder nehmen mittags den grossen Weg, damit sie mit dem Kickboard zum Mittagessen fahren können, denn der breite Weg hat einen glatten Belag.
Der Wald ist voller kleiner und grosser Nischen, wo ausgeheckte und verspielte Dinge stattfinden. Auf den Schaukeln wird diskutiert, Felsen werden erklettert und bei den Pflanzbeeten die Unterschiede zwischen verschiedenen Rüeblisorten erörtert und probiert. Erst im dritten Jahr kennt man langsam alle Abkürzungen und Verstecke.
Die Schale
Eine zusätzliche unbeheizte Raumschicht umhüllt das kompakt gegliederte Raumprogramm vollständig und ermöglicht eine effiziente Lüftung und Heizung.
Das neue Schulhaus steht im Wald. Es schaut zwischen den Bäumen hervor. Es ist gross, aber man erkennt nicht genau, wo der Innenraum beginnt – es hat eine transparente Schale, die es umgibt.
So früh morgens schimmert das Schulhaus noch von den Lichtern, die langsam ausgehen. Pflanzen schimmern durch, Garderobenmöbel und die paar dunklen Flecken an den Fenstern sind wahrscheinlich die Rüebli-Zeichnungen, die letzte Woche angefertigt wurden.
Jedes Kind weiss, welche Treppe am schnellsten zum Klassenzimmer führt. Die bergseitigen Klassen nehmen die breite Treppe beim Pausenhof, vorbei am Sekretariat, oder direkt den Eingang beim Konservatorium. Die Stadtseitigen kommen hinter der Mensa über den Innengarten mit den Zitronenbäumen, oder direkt beim Sport herein. Man begegnet sich erst am Mittag in der Mensa, ausser man möchte einen Umweg machen, um am Aquarium der Klasse 4b im zweiten Stock vorbeizukommen.
Beim Treppensteigen kommt man an den Innengärten der verschiedenen Cluster vorbei, einer davon ist ausser ein paar Garderoben leer und man kann mittags gut rumrennen und «Fangis» spielen. Ein anderer ist voll mit einem gemeinsam gebauten, riesigen Reliefmodell, komplett mit Spielzeugeisenbahn und Spielteppichen mit Legos. Im dritten Stock ist der Vorhang zum Gruppenzimmer schon zugezogen, vielleicht ist jemand schon beim Spezialunterricht oder konzentriert am Hausaufgaben lösen.
Sorgfältig eingerichtet ist es auch um die Mensa herum. Hier gibt es Bänke zwischen Pflanzentöpfen, auf denen man auch gerne sitzt, wenn man schon lange fertiggegessen hat. Es riecht nach Zitronen, vor allem wenn die Sonne hineinscheint. Die gemütlichsten Ecken findet man aber ganz oben, vor der Bibliothek. Man hört zwar im Hintergrund, wie beim Werken zusammen gesägt und gebastelt wird, aber niemand kommt hier vorbei und stört.
Der Kern
Das ganze Raumprogramm wird in einem kompakten, modularen Skelettbau untergebracht, der zukünftige Flexibilität garantiert. Eingänge auf verschiedenen Ebenen garantieren unabhängige Betriebsabläufe und eine enge Verknüpfung mit dem Quartier.
Bei manchen Schulzimmern ist die Garderobe erst direkt vor dem Zimmer und man sieht einen nassen Fleck am Boden, wo die Jacken am Trocknen sind. Bei anderen ist dieser Bereich reserviert für ein spezielles Projekt: Selber gepflanzte Bohnensprösslinge, lebensgrosse Kreidefiguren am Boden oder ein zweiter, kleinerer Stuhlkreis für gemeinsame Diskussionen. Man spürt, ob die Klassen den Bereich gemeinsam möblieren oder ob es eher einzeln funktioniert. Jedes Jahr kann sich das ändern – das gibt zwar Arbeit aber auch viel Platz und Potential.
Im Klassenzimmer selbst riecht es noch nach frisch gesägtem Holz, da das Schulhaus erst letzten Sommer fertig wurde. An der Decke sieht man es, ein paar Papierflugzeuge sind an Nägeln daran aufgehängt. Die Möbel sind auch aus Holz. Sie sind robust und höhenverstellbar, damit es für jeden passt. Jedes Klassenzimmer ist ein wenig anders eingerichtet. Mittags kann man die anderen anschauen gehen und vergleichen. Manchmal trifft man dabei die Klassenlehrer, die sich gegenseitig besuchen – wenn sie nicht im obersten Geschoss im Lehrerzimmer verschwinden.
Manchmal nimmt man die innere Treppe, wenn man ganz leise sein muss, weil nebenan etwas Spezielles stattfindet. Oder wenn man es als Abkürzung nehmen will. Und hier riecht man vor der Mittagspause, wenn das Essen in die Mensas gerollt wird: Dann wird es Zeit runterzugehen.
