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Am Anfang des Projektes stand eine leere Parzelle in Sils im Domleschg mit dem Flurnamen «Prolung», an einem relativ steilen Westhang an der Hauptstrasse am Eingang des Dorfs, mit unverbaubarer Aussicht ins Tal hinüber an den Heinzenberg und bis zum Beverin. In Thusis, gleich auf der anderen Seite des Hinterrheins, wurden viele Wohnungen gebaut: Dichte Mehrfamilienhäuser – «Blöcke». Im Dorf Sils mit 927 Einwohnern kam eine solch anonyme, urbane Typologie nicht in Frage, wenn auch hier Verdichtung eine Voraussetzung für den Umgang mit Umwelt und Landschaft ist.
Mit dem Dorf geplant
Über ein Inserat und Diskussionen im Dorf kamen wir nach und nach in Kontakt mit einem Kreis interessierter Personen aus der Region, welche entweder selber eine Wohnung erwerben, oder aber aus grundsätzlichem Interesse an der Entwicklung im Tal, mitdiskutieren wollten. Mit der Zeit zeigte sich, dass vor allem ein sehr spezifisches Segment auf der Suche nach Wohneigentum war: Eine Handvoll ältere Personen aus dem Dorf oder der engeren Umgebung, die ihre Einfamilienhäuser an die nächste Generation weitergeben wollten und auf der Suche nach altersgerechten Wohnungen waren. Dies aber in der Nähe, am liebsten in Sils selbst, und bezahlbar aber trotzdem individuell.
Terrassen und Sheddächer
Für den Innenraum war das Bedürfnis nach Aussicht und Licht zentral, da Sils vor allem im Winter tief im Schatten der umliegenden Berge liegt, sowie ein grosser, aber pflegeleichter Aussenraum. Die gesetzlichen Anforderungen an die Parzelle kamen diesen Herausforderungen entgegen: In der 2-geschossigen Wohnzone waren Terrassenwohnungen die einzige Möglichkeit grössere Mehrfamilienhäuser zu realisieren. Gleichzeitig sind Flachdächer aber nicht zonenkonform. Dieser Widerspruch, sowie die Notwendigkeit einer kostengünstigen Ausführung, führte zum jetzigen komplexen und dichten Baukörper. Jede Wohnung hat eine grosse Terrasse, aber die Dachlandschaft besteht aus Sheddächern, die zusätzliches Südlicht in die Wohnungen bringen – und in jeder Wohnung das Gefühl schaffen, im obersten Geschoss zu sein.
Für die Realisierung fanden wir mit der Bauunternehmung Heini AG schon früh einen regionalen Partner, der das Potential im Projekt sah und wertvolle Kenntnisse und Partnerschaften in der Region mitbrachte. Das anschliessend ausgearbeitete Vorprojekt mit 3 Typologien, davon 16 Wohnungen und zwei Einfamilienhäuser, wurde vor Weihnachten 2015 über unsere Homepage publiziert und wiederum vielseitig diskutiert. Daraus entstand schliesslich das definitive Bauprojekt.
Bezug und zweite Etappe
Im Frühling 2018 wurden die Wohnungen fertiggestellt und grossteils bezogen. Drei davon von Menschen, die ganz am Anfang schon mit uns in Kontakt waren und uns durch den ganzen Prozess mitbegleitet haben. Der Ausbau der Wohnungen wurde nach den Wünschen der Käufer ausgeführt, was zu einer grossen Diversität in Materialwahl und Stimmungen führte.
Nach dem erfolgreichen Fertigstellen des ersten Gebäudes planten wir das zweite Volumen. Die Baubewilligung wurde im Sommer 2018 erteilt, und wir waren bereits mit den ersten zukünftigen Bewohnern im Gespräch. Unsere Hoffnung ist, dass die ansatzweise partizipative Planung, die von uns geleitet, aber wiedererkennbar durch äussere Einflussnahmen geformt wurde, zu einer besseren Integration in die lokale Identität führt: Dass wir dadurch die geplante Überbauung zu einer organischen Weiterentwicklung des Dorfes machen können – nicht als Imitation seiner gebauten Form, sondern durch eine Widerspiegelung von Wohnbedürfnissen der Personen in der Umgebung und durch eine breite lokale Akzeptanz.
