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Limmatstrasse, morgens. Ein Tram hält an der Haltestelle Museum für Gestaltung. Eine Gruppe junger Menschen steigt aus und überquert die Limmatstrasse. In ihrem Rücken der Klingenpark mit seinen mächtigen Platanen. Vor ihnen eine feingliedrige Beton- und Stahlkonstruktion, soeben fertiggestellt, die sich rhythmisch gegliedert vor ihnen auftut. Ein offenes Erdgeschoss lässt den Blick frei zum Garten im dahinterliegenden Hof. Darüber horizontale Ebenen, ebenfalls offen. Menschen sind am diskutieren, grüssen sich. Eine breite Treppe führt durch die Ebenen nach oben, diagonal, eine Kaskade von Stufen. Wir folgen der Gruppe, wie sie der Treppe folgt, Rufe und Lachen. Oben am Ende der Treppe ein ausgeschnittenes Stück Himmel zur Dachterrasse, die wir dann später besuchen werden. In der dritten Ebene verlassen wir die Treppe. Wir laufen auf einer breiten Fläche in Richtung Limmatplatz, unser Augpunkt etwa 10 Meter über Strassenniveau. Rechts eine Reihe von Sitzbänken, viele Schüler sind noch in Gespräche vertieft. Wir nähern uns der Brüstung und blicken in die Kronen der über 20 Meter hohen Platanen. Unten hält ein Tram.
Ein Stück Stadtgefüge
A City Campus versteht sich als Fortsetzung eines gewachsenen Stadtgefüges, demjenigen des früheren Zürcher Industriequartieres. Schon immer existierten hier so unterschiedliche Aktivitäten wie Wohnen, Arbeiten, Erholung oder Ausbildung in lebendigem Nebeneinander. Nahe beim Hauptbahnhof setzen Gebäude der umliegenden Schulhäuser markante Bezugspunkte in einem teilweise eher heterogenen morphologischen Gefüge, während die Park- und Gartenanlagen als zusätzliches strukturierendes Prinzip interpretiert werden können. Zusammen mit den Strassenräumen bilden sie Raum für Aktivitäten – Lebensraum, der weiter aktiviert werden kann. A City Campus akzentuiert das Strassenniveau und setzt das Grün der Klingenanlage im Inneren des Strassengevierts beim neuen Gebäude der Baugewerblichen Berufsschule fort, ähnlich dem Garten im Hof der früheren Gewerbeschule von Adolf Steger und Karl Egender. Damit wird die Klingenanlage zu einem Ausgangspunkt eines kontinuierlichen Grünsystems.
Der Portico
Das neue Schulhaus kündigt sich durch eine leichte Portico-Struktur an, welche sich über diesem Feld von Grünräumen aufspannt. Der Portico setzt den Stadtraum in der Vertikalen fort und verbindet die Funktionen des neuen Schulhauses mit der Umgebung. Horizontale Ebenen, verbunden durch eine diagonale Treppe, bilden einen vertikalen, halböffentlichen Raum – ein Stück vertikaler Stadt, das in der Dachebene zur Terrasse mutiert. Gleichzeitig sind hier die am meisten öffentlichen Nutzungen angegliedert, Mehrzweckraum und Aufenthaltsraum im Erdgeschoss, und über die Kaskadentreppe verbunden Verwaltung, Mediothek und Lehrerbereich. Der Portico ist so programmatisch aktiviert, und die Treppe wird zu einer Hauptverbindungsachse. Im Winter wird der Teil zwischen dem Klassenturm und Sammlungshaus mittels Glasfaltwänden geschlossen. Der entstehende Zwischenraum wird zur Zwischenklimazone und verbindet die funktionalen Einheiten. Zur Limmatstrasse bildet der Portico Identität und Adresse des neuen Gebäudes und die offene rhythmische Fassade artikuliert den Strassenraum im Bereich des Klingenparks. A City Campus versteht sich als eine Neuinterpretation des Schulhauses in der Stadt als funktionale und offene Struktur: Die ehemalige Gewerbeschule von Steger und Egender erhält so ein zeitgemässes Gegenüber.
Der Schulunterricht wird in wenigen Minuten beginnen. Eine gewisse Hastigkeit macht sich nun für einige Augenblicke breit. Eine Tür trennt uns von breiten Korridoren, alles hell und modular. Einige sind schon etwas früher zum Sporthaus verschwunden, zu den Treppen nach unten zu den Garderoben. Viele gehen zum Klassenturm in der Mitte des Portico. Wir bewegen uns zum Sammlungshaus, auch hier viele Klassenzimmer. Hinten, bei der sich im Glas spiegelnden Treppe, lassen sich die Regale der Sammlungen erahnen. Im Zimmer angekommen, bestätigt sich ein früherer erster Eindruck: Die Räume sind gross und hell – und etwas höher als wir es sonst von Schulhäusern der jüngeren Vergangenheit gewohnt sind.
Drei Baukörper
Drei Baukörper gliedern das neue Gebäude der Baugewerblichen Berufsschule: Sporthaus, Klassenturm und Sammlungshaus. Die drei Baukörper zeichnen sich im Hof klar ab und sind auch von der Limmatstrasse durch die offene Struktur des Portico erkennbar. Die drei Körper bilden Identität und Orientierbarkeit. Zugleich ist alles modular aufgebaut. Ein rationaler Stützenraster lässt maximale Variabilität zu. Die Klassenzimmer und alle weiteren Funktionen sind konsequent modular und austauschbar. Sie lassen sich jederzeit umnutzen und anpassen. Die Gebäudestruktur folgt diesem Paradigma: Ein einfacher Raster von Betonstützen und vorgespannten Decken antwortet pragmatisch auf die Anforderungen. Die Sporthallen sind jeweils von einem Vierendeel-Geschoss überdacht, so dass keine zusätzliche Höhe für Statik notwendig ist. Diese Entscheidung führt auch zu den leicht überhohen Geschossen: Die 3.75 m von Fertigboden zu Fertigboden bieten zusätzliche Flexibilität und grosszügigeres Raumgefühl. Die Ausfachung erfolgt über einzelne Wände und den vertikalen Kern. Der Portico erhält seine Leichtigkeit durch den Einsatz von Pendelstützen. Fassade und Aussenbeschattung aus Metall sind sauber thermisch getrennt angebracht. Die ökologischen und ökonomischen Anforderungen sind erfüllt.
Es ist Mittag. Aus den Klassenzimmern gelangen wir wieder in den Portico. Der grosse Zwischenraum ist inzwischen ziemlich belebt. Kollegen von den anderen Schulhäusern gesellen sich zu uns. Wir folgen der Kaskadentreppe zur Dachterrasse. Über dem Horizont des letzten Trittes öffnet sich die Sicht über die Dächer der Stadt zu den Bergen in der Ferne. Im Vordergrund das Grün der Dachgartenbepflanzung in Töpfen, dazwischen Stühle, Tische und ein Pop-Up Stand. Viele kommen hierher um zu essen. Es macht Spass hier zu verweilen, beinahe wie schwimmend in den Dächern der Stadt. Oft bleiben wir deswegen hier über Mittag. Hinter uns vor den Werkstätten, die sich ebenfalls hier auf dem Dach befinden, sind zur Zeit einige Ergebnisse der letzten praktischen Wochen ausgestellt. Wie eine skulpturale Landschaft aus seltsamen Artefakten scheint hier Lehre, Experiment, Kunst und Stadtraum zu verschmelzen.
Untergeschoss
Das Untergeschoss ist pragmatisch in funktionale Bereiche aufgeteilt. Die Garderoben aufgereiht, hinten ein grosses Oblicht und eine zusätzliche Treppe zum Garten im Hof. Alle Technik und Lagerräume befinden sich hier, auch die Verteilung zu den Schächten. Über den Warenlift wird alles bequem verteilt, hier in der Fläche und nach oben zu den Geschossen. Der pragmatische Ansatz des Portico mit den drei angegliederten Baukörpern findet hier seine Fortsetzung. Von den Garderoben gelangt man über eine Spiraltreppe mit Blicken zur Stadt zu den Gymnastikräumen und zur oberen Halle.
Nach dem Sportunterricht nehmen wir noch eine Limonade im Garten im Hof. Es ist heute angenehm kühl hier, wir setzen uns in einige der hier stehenden Stühle und blicken hoch zu den Fassaden. Das Licht aus den Innenräumen vermischt sich mit dem Abendlicht im Hof. Die letzten Klassen der berufsbegleitenden Weiterbildungen werden bald beendet sein und der Portico mit dem grossen Tor geschlossen. Heute Abend findet im Bereich des Aufenthalts- und Mehrzweckraumes eine Diskussion des Quartiervereines statt. Zur Limmatstrasse sehen wir durch die Ebenen die grossen Platanen. In der Hafnerstrasse auf der anderen Seite laufen Passanten vorbei. Einige kommen in unsere Richtung. Als wir gehen, werfen wir einen Blick in die untere Sporthalle. Nora rennt.
