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Architektur als iterativer Prozess.

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Erdgeschoss mit Umgebung.
Erdgeschoss mit Umgebung.
Regelgrundriss.
Regelgrundriss.

BR Volierä

Wohnüberbauung Brünnen

Die Wohnüberbauung auf Baufeld 1 am nordwestlichen Rand des Masterplans Bern-Brünnen vermittelt zwischen der Siedlung Gäbelbach und der Berner Landschaft. Ein schlanker Riegel, ein ruhiger Solitär und ein flacher Gewerbebau bilden ein durchlässiges Ensemble mit rund neun Wohnungstypen. Eine zweite Fassadenschicht aus Streckmetall schafft französische Balkone, Privatsphäre und Beschattung.

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Ein Eckpunkt für Brünnen

Der Masterplan für Bern-Brünnen orientiert sich an der Nord-Süd-Funktionsachse aus den 1960er Jahren und bettet so das neue Quartier in die moderne Stadterweiterung aus der 2. Hälfte des letzten Jahrhunderts ein. Innerhalb des Masterplans nimmt das Baufeld 1 einen speziellen Platz ein: In seiner Position am äussersten Rand kann das Grundstück eine direkt vermittelnde Rolle übernehmen. Einerseits zur Siedlung Gäbelbach, die dem Baufeld direkt gegenübersteht, andererseits zur angrenzenden Berner Landschaft. Der Masterplan verschneidet das abfallende Terrain mit seiner orthogonalen Struktur und exponiert das Baufeld 1 zusätzlich. Es wird somit markanter, nordwestlicher Eckpunkt für die ganze Überbauung.

Drei Baukörper bilden ein Ensemble. Ein hoher, schmaler Riegel gegen Norden, als Gegenüber zu den Zeilenbauten nordseits und dem geplanten Gebäude auf der Südseite. Ein kompakteres, niedrigeres Gebäude gegen Westen und ein flaches Volumen gegen Südosten, wo sich der Zugang zur Parzelle befindet. Zusammen spannen sie grob das Volumen des im Masterplan vorgesehenen Blockrands auf. Sie gliedern sich so in das neue Quartier ein, lassen aber trotzdem eine Durchlässigkeit zur Aussicht hin zu.

Die drei Volumen funktionieren abhängig von ihrer Ausrichtung, Lärmexposition und städtebaulicher Setzung unterschiedlich. Es ergibt sich so eine Vielfalt von rund 9 verschiedenen Wohnungstypen in mehreren Variationen, zirka 20 % davon als Attikawohnungen.

Raumkontinuen im Innen- und Aussenraum

Die Grundrisse zeichnen sich durch eine orthogonale Struktur mit aneinandergeschalteten, ähnlich dimensionierten Räumen aus. Die Möglichkeit, sich auf verschiedenen Wegen von Raum zu Raum zu bewegen, und eine Vielzahl von Sichtbezügen, verleiht allen Wohnungstypen ein grosszügiges Raumgefühl.

Die vollflächig verglasten, lichtdurchfluteten Räume sind von einer zweiten Schicht aus Streckmetall umfasst. Somit verfügen alle Räume über einen schmalen, französischen Balkon, welcher sich vor den Wohn- bzw. Essräumen zu einem grossen Aussenraum erweitert.

Diese zweite Fassadenschicht sorgt trotz der Verglasung für die gewünschte Privatsphäre und die bauphysikalisch notwendige Beschattung.

Der flache Gewerbebau am Eingang

Der Gewerbebau mit Pavilloncharakter dient als Ankunftsort und Verteiler der Siedlung. Das überhohe Erdgeschoss wird vollständig durch Gewerbenutzungen sowie den Gemeinschaftsraum der Überbauung besetzt. Er übernimmt deshalb die Anbindung an das Quartier. Gleichzeitig fungiert das Volumen als Puffer zum Strassenraum und schafft eine Hofsituation zwischen Gewerbebau und Riegel im Norden.

Im einzigen Obergeschoss des Gewerbebaus befinden sich vier kleinere Wohnungen, mit grosszügigen Innen- und Aussenräumen und enger Verbindung zum urbanen Raum.

Der schlanke Riegel gegen Norden

Entlang der nördlichen Baulinie schirmt ein schlanker Baukörper das Baufeld gegen Süden vom Strassenlärm ab. Fünf Vollgeschosse mit einer Attika geben dem Gebäude eine städtebauliche Präsenz, welche trotz viel geringerer Dichte selbstbewusst der Siedlung Gäbelbach gegenübersteht und die Pflichtbaulinie an der äusseren Grenze des Masterplans betont.

Die Wohnungen im Riegelbau zeichnen sich durch eine Anordnung der lärmempfindlichen Räume an der lärmabgewandten Fassade aus. Das durchgeschobene Gefüge von Wohn- und Essraum erlaubt ein normkonformes Lüften über die Südfassade und macht gleichzeitig die Aussicht gegen Nordwesten auch aus dem Wohnraum an der Südfassade erlebbar.

Im Attikageschoss befinden sich drei grosse Wohnungen mit freiem Grundriss, welche sich rundum zu einem privaten, 1.5 m tiefen Aussenraum öffnen.

Der ruhige Solitär nach Westen

Das Gebäude auf der westlichen Seite des Grundstücks ist ausserhalb der lärmbetroffenen Zone und lässt deshalb ein tieferes Volumen zu. Zwei Treppenhäuser erschliessen jeweils drei Wohnungen pro Etage, wovon alle zweiseitig ausgerichtet sind: die 3.5-Zimmer-Wohnungen in der Gebäudemitte sind aufgeteilt in die gemeinsame Zone gegen Westen sowie die Privatzimmer gegen Osten. Bei den 2.5-Zimmer-Wohnungen auf der Nord- und Südseite unterscheidet sich der Ost- vom Westtyp. Wie bei allen Wohnungen lässt die Raumkonfiguration verschiedene Bewegungen innerhalb der Wohnungen zu.

Sanfte Zonierung und natürlicher Terrainverlauf im Aussenraum

Durch die Disposition der Volumen und der sich dadurch ergebenden Zirkulation ist der Aussenraum natürlich gegliedert. Die vorgeschlagene Position für die Rampe der Tiefgarage wird von den Verfassern als städtebaulich schwierig bewertet, da sie die räumliche Kontinuität vom Strassenraum in die Siedlung hinein zerschneidet. Aus diesem Grund wurde die Rampe am südlichen Parzellenrand geplant. Dies stärkt den östlichen Anschlussbereich an den Tinguely-Weg und sorgt für eine natürliche Zugänglichkeit auf das Areal.

Um den Gewerbebau ist der Belag asphaltiert und für Anlieferungen befahrbar. Pflanzbecken und eine Belagsänderung zonieren sanft Aufenthaltsbereiche im mittleren, gemeinsamen Zwischenraum.

Die Erdgeschosswohnungen des Riegelbaus verfügen über Aussenbereiche im Süden. Diese sind über Pflanzbecken und die Veloabstellplätze von den Eingangsbereichen abgeschirmt. Auch hier werden über Belagswechsel Zonen geschaffen, ohne eine zu rigide Grenze zwischen öffentlichem und privatem Raum zu erzwingen. Die Erdgeschosswohnungen im Westgebäude haben Balkone gegen Westen, welche sich zur Aussicht hin orientieren.

Über die städtebauliche Setzung des Gebäudeensembles, die Zonierung im Zwischenbereich der Volumen, die Zweischichtigkeit der Fassade und die vielseitig erlebbaren Grundrisse ergibt sich eine vielschichtige Annäherung an das Erleben der Privatheit und an die Fragen des Zusammenlebens im urbanen Raum.

Details ▸
Art: Wohnüberbauung
Prozess: Wettbewerb
Beginn: Herbst 2017
Team: Alexa den Hartog, Yves Seiler, Michael Furrer
Erdgeschoss mit Umgebung. Regelgrundriss. Querschnitt. Längsschnitt. Situationsplan. Hof zwischen Gewerbehaus und Riegel. Terrasse mit Blick durch die Wohnung gegen Norden. Ess- und Wohnraum. Ansicht Fassade Süd.